Küstenradweg Huelva – Lissabon (8PO2601)

Unsere E-Bikes stehen ruhig bereit, doch lange wird das nicht so bleiben. Ganz nach dem Motto „erst die Theorie, dann die Praxis“ starten wir mit einem Welcome Briefing. Die Tour wird vorgestellt, letzte Details geklärt, und aus einer Gruppe von Reisenden wird langsam ein gemeinsames Team mit einem Ziel vor Augen. Dann folgt der Moment, auf den wir gewartet haben: Wir steigen auf die Räder. Und siehe da – selbst nach der Winterpause fühlt es sich erstaunlich leicht an. Die ersten Pedalumdrehungen symbolisieren den Start in unser gemeinsames Abenteuer. Unsere erste kleine Etappe führt uns ins Zentrum von Tavira. Wir tauchen ein in das spanische Lebensgefühl. Die Straßen füllen sich, Stimmengewirr liegt in der Luft, und genießen einem kleinen Drink in einer der Tapas-Bars. Den krönenden Abschluss bildet ein gemeinsames Dinner mit den Köstlichkeiten der spanischen Küche – ein erster Vorgeschmack auf all das, was diese Reise noch bereithält.
Gleich am zweiten Tag wartet sie auf uns: die Königsetappe – für uns jedoch kein Problem. Die Landschaft verändert sich schnell. Wir durchqueren Wälder und weite Sumpfgebiete, in denen bunte Pflanzen blühen, während der feine Duft von Orchideenbäumen in der Luft liegt. Flamingos entdecken wir nur aus der Ferne, dafür begegnen uns Reiher und Störche. Dazwischen brauchte es eine kleine Planänderung: Die geplante Fähre wurde – vermutlich wegen starken Winds – kurzfristig gestrichen. Doch das gehört dazu, und wir passen unsere Route flexibel an. Wir bestaunen Salzpfannen, die weißen Salzfelder erstrecken sich vor uns, und einige aus der Gruppe lassen es sich nicht nehmen, die Salzberge mutig zu erklimmen. Und am Abend lassen wir den Tag bei einem gemütlichen Dinner im Hotel ausklingen.
Unser Tag beginnt mit einem wirklich großartigen Frühstück – begleitet von einem weiten Blick über die ruhige, fast schon kitschig schöne Landschaft rund um Tavira. Genau die richtige Mischung aus Energie tanken und kurz innehalten, bevor es wieder aufs Rad geht. Anschließend rollen wir noch einmal entspannt durch Tavira – heute ohne große Stopps, aber diese Stadt kann man nicht oft genug sehen. Ein besonderes Highlight war der kleine Ausflug mit der Bimmelbahn hinaus zum Praia do Barril. Am Ende der Strecke erwartete uns der sogenannte Ankerfriedhof – eine beeindruckende Sammlung alter Anker im Sand, die an die Zeit der traditionellen Thunfischfischerei erinnert, als hier noch ganze Gemeinschaften vom Meer lebten. Heute wirkt der Ort ruhig, fast surreal – und bleibt definitiv im Kopf. Zurück im lebendigen Olhão wird es dann deutlich geschäftiger. Beim Mittagessen mitten im bunten Treiben neben den weit bekannten Markthallen können wir die Atmosphäre dieses authentischen Ortes aufsaugen – laut, lebendig und voller Energie. In Faro wartet anschließend ein ganz anderes Highlight auf uns: Die Sé de Faro hat uns mit ihrer beeindruckenden Architektur wirklich fasziniert. So viele Details, so viele unterschiedliche Stile – ein Bauwerk, bei dem man immer wieder Neues entdeckt, je länger man hinschaut. Auch die letzten Kilometer bis zu unserem Ziel sind ein echtes Erlebnis. Die Strecke führt uns durch weitläufige Sumpfgebiete, vorbei an ruhigen Wasserflächen und durch charmante Vororte – eine Landschaft, die entschleunigend wirkt. Dazu perfektes Wetter: strahlender Sonnenschein von morgens bis abends, der uns den ganzen Tag begleitet hat. Besser hätte dieser Tag kaum sein können. Wir beenden unseren Tag mit einem Geburtstags Kölsch am Strand und einer leckeren Cataplana bei Alphonso.
Wir lassen Quarteira hinter uns und rollen entspannt die Küste entlang. Überall am Wegesrand blühen die Blumen um die Wette und wir genießen diesen intensiven Duft, den man vom Fahrrad aus am besten wahrnimmt. Unser erster Kaffeestopp führt uns nach Albufeira. Kaum zu glauben, dass das mal ein verschlafenes Fischerdorf war – heute ist es ein beliebtes Touristenziel und Partyhotspot der Algarve. Wir suchen eher die ruhigen Ecken. Gegen mittag erreichen wir das Highlight des Tages. Wir tauschen kurz das Bike gegen das Boot und stürzen uns in die wilden Wellen. Mit ordentlich Speed und einer frischen Brise geht es entlang der rauen Küste direkt zur berühmten Höhle von Benagil. Die verschiedensten Felsformationen aus dieser Perspektive zu sehen, ist einfach herrlich. Überall in den kleinen Nischen nisten Vögel – ein echtes Spektakel, das man vom Land aus gar nicht so mitbekommt. Unser Ziel für heute ist Praia da Rocha. Der Strand ist kilometerlang und sieht exakt so aus wie auf den Postkarten. Ein perfekter Ort, um den Tag zu beenden: bei einem gemeinsamen Dinner mit direktem Blick auf den Ozean.
Ob unser "Ruhetag" seinen Titel verdient hat, man weiß es nicht, denn wir haben ihn gut mit Aktivitäten gefüllt bekommen. Am Morgen radeln wir gemütlich nach Alvor, ein wunderschönes kleines Hafenstädtchen mit einer entzückenden Einkaufsstraße, die zum Schlendern einlädt. Wusstet ihr, dass Kork in Portugal nicht nur Weinflaschen verschließt? Daraus werden tatsächlich Schuhe gemacht! Und nicht nur das: Hüte, Laptop-Hüllen, Handtaschen, Gürtel – gefühlt kann man hier sein halbes Leben aus Kork bestreiten. Kein Wunder, Portugal ist schließlich einer der größten Korkproduzenten der Welt. Es ist wirklich faszinierend, was dieses Material alles kann. Nach einem kurzen Boxenstopp im Hotel geht es weiter ins Museu de Portimão. Besonders spannend ist die Geschichte der alten Sardinenfabrik – man bekommt einen tollen Einblick in eine Zeit, in der hier noch fleißig Fisch in Dosen verpackt wurde und die Region stark von der Fischerei geprägt war. Am Nachmittag genießen wir einen entspannten Spaziergang am Strand, lassen uns die Sonne ins Gesicht scheinen und schreiben fleißig Postkarten, dazu gibts Kaffee und ein Pastel de Nata. Abends treffen wir uns schließlich in einem wunderschönen, typisch lokalen Fischrestaurant. Frischer geht’s kaum – der Atlantik liegt schließlich direkt vor der Tür, und das schmeckt man auch. Ganz ehrlich: Wir könnten problemlos noch eine Nacht bleiben, es gibt hier noch so viel zu entdecken. Aber gleichzeitig freuen wir uns schon auf das nächste Abenteuer – morgen geht es weiter nach Sagres!
Gestärkt durch unseren Rasttag starten wir mit neuer Energie in diesen besonderen Abschnitt unserer Reise. In Lagos schlendern wir durch die nette Altstadt – und tauchen dabei auch in ein dunkleres Kapitel der Geschichte ein: den Sklavenhandel, der hier einst seinen Platz hatte. Ab hier verändert sich der Charakter unserer Reise spürbar. Es wird wilder, einsamer. Die Klippen werden höher und steiler, die Dörfer seltener und kleiner. Stattdessen begleitet uns eine beeindruckende Vielfalt an Flora und Fauna – wir begegnen Ziegen, Kühen und sogar Pferden. Dann eine Überraschung - wir biegen ums Eck uns sehen Julia. Sie verwöhnt uns mit einem Picknick direkt am Meer. Je weiter wir in Richtung Südwesten fahren, desto karger wird die Landschaft. Der Bewuchs nimmt ab, der Wind wird präsenter – man spürt förmlich, dass wir uns dem Cabo São Vicente nähern, einem Ort, an dem fast immer eine kräftige Brise weht. Dort angekommen, scheint die Zeit stillzustehen. Stundenlang könnte man an den Klippen stehen, den gewaltigen Wellen zusehen und an die wagemutigen Entdecker Portugals denken, die einst genau hier aufbrachen und das Kap umrundeten, hinaus ins Ungewisse. Bevor wir unser Hotel erreichen, legen wir noch einen entspannten Stopp in einer der Surferbars in Sagres ein. Mit einem Drink in der Hand beobachten wir die Wellenreiter – ein perfekter Abschluss für einen eindrucksvollen Tag.
Heute ist unser letzter Tag in der Algarve, bevor es morgen ins wunderschöne Alentejo Gebiet geht. Man sieht den Wandel der Natur schon ganz deutlich. Am morgen fahren wir entlang rauer klippen. Die Felsen ragen hoch aus dem Wasser, unten macht das Meer so richtig Radau! Die Wellen, der Sound, die Energie! Der pure Wahnsinn! Cam kann gar nicht genug davon bekommen. Später wird es ruhiger. Immer mehr Natur, der Abstand zwischen den Dörfern wird größer. Dafür finden wir wunderschöne Blumen am Straßenrand, fahren vorbei an einem Erdbeerfeld. Mittagessen gibt es in Carrapateira, dem Ort mit dem wohl motiviertesten Glockenturm, den wir je gehört haben. Alle 15 (!) Minuten erklingt das Leuten der schönen Kirche! Bevor die Armbanduhr oder gar das iPhone erfunden wurde, haben die Bürgerinnen und Bürger ihren Alltag nach dem schönen Klang gerichtet. Die Grenze der Algarve zum Alentejo liegt an einem Fluss, der Seixe. Dieser Fluss spielt auch eine wichtige Rolle für die wunderschöne Stadt Odeceixe, die wir am Nachmittag erreichen. Nachdem wir die tolle Windmühle besucht haben, genießen wir einen Power Smoothie in einem tollen Cafe direkt am Hauptplatz. Der kleine Ort ist voller Leben, die Sonne scheint, uns gehts richtig gut! Nach unserem Endspurt erwartet uns Ernst mit einem Portwein und tollen portugisischen Leckereien am Hotel. Ein krönender Abschluss für einen spektakulären Tag!
Mittlerweile sind wir im Alentejo angekommen – und man spürt sofort die Veränderung. Es wird ländlicher: Kühe, Schafe und Störche begleiten unseren Weg, weite Felder, Wiesen und Anbaugebiete prägen die Landschaft. Gleichzeitig wird es einsamer. Kleine Dörfer, kaum Tourismus, dafür umso mehr Natur. Das Leben scheint hier langsamer zu verlaufen – und genau das genießen wir. Küstenorte wie Zambujeira, Vila Nova de Milfontes und Porto Covo begeistern uns mit spektakulären Klippen und idyllischen Sandstränden. Immer wieder halten wir inne, lassen den Blick über das Meer schweifen und nehmen die Ruhe in uns auf. Doch kurz vor dem Ziel wartet noch eine kleine Herausforderung auf uns: Die Straßenbrücke ist eingestürzt. Also ist Improvisation gefragt. Gemeinsam finden wir eine Lösung, weichen auf kleine Wege aus und fahren schließlich sogar ein Stück am Strand entlang. So erreichen wir schließlich unser Ziel Sines – ein weiterer Tag mit unterschiedlichsten Eindrücken.
Unser heutiges Tagesziel ist das wunderschöne, lebendige und fliesenreiche Städtchen Setubal. Doch bevor wir unser Highlight des Tages erreichen, warten noch ein paar andere Erlebnisse auf uns. Nach einer dynamisch, flotten Strecke entlang schöner Felder biegen wir rechts in einen Korkeichen-Wald ein. Was für ein wunderschönes Fleckchen Erde! Wusstest du, dass Korkeichen nicht gefällt, sondern geerntet werden? Der Kork steckt unter der Rinde, der Baum wird am Stamm geschält und kann sich anschließend 9-12 Jahre erholen, bevor die nächste Portion Kork geerntet werden kann. Die Wälder sind zauberhaft, neben den Bäumen finden sich noch eine Vielfalt anderer grüner Freunde und Lebewesen in dem Wald. Wir genießen die Ruhe und frische Luft, bevor wir auf abenteuerlich sandigen Wegen weiter in die Natur rollen. Unseren Mittagsstop legen wir bei einem legendären franzöischen Bäcker ein. Die Auswahl ist überwältigend und alles selbst vor Ort gebacken. Wir entscheiden uns für verschiedene Quieche, Schweineohren und Zitronen Tarte. Was für ein Geheimtip! Es folgt eine wunderschöne Stunde über die Halbinsel bis zur Fähre. Rechts und Links von uns sieht man das Meer, vor uns die lange Straße. Was für eine Kulisse! Die letzten Meter legen wir auf der quietsch grünen Fähre zurück. Die Sonne scheint uns ins Gesicht und wir können schon aus der Fähre die lebendig bunte Stadt sehen. Wir erreichen das Hotel am Nachmittag, somit bleibt uns genug Zeit Setubal zu erkunden. Hast du schon die große Katze auf dem Dach entdeckt? Abends geht es für uns in ein schickes Restaurant am Hafen. Zum krönenden Abschluss gibt es ein ganz besonderes Stück Käsekuchen. Ein gebürtiges Ende für einen wunderschönen Tag! Ab ins Bett, denn morgen brauchen wir genug Kraft um unser Ziel der Reise zu erradeln: Lissabon!
Der letzte Tag unserer Reise – und als großes Finale wartet ein echter Radfahrer-Leckerbissen auf uns. Was wir gestern schon aus der Ferne gesehen haben, liegt heute direkt vor uns: das Arrábida-Gebirge. Kurz hinter Setúbal beginnt der Anstieg. Mit jeder Pedalumdrehung gewinnen wir an Höhe, und die Ausblicke auf Küste und Meer werden immer spektakulärer. Der Blick nach Norden reicht bis nach Lissabon. Auch die Vegetation verändert sich spürbar – feuchter, üppiger, fast schon mediterran. Nach einer rasanten Abfahrt erwartet uns ein besonderes Highlight: eine Führung durch eines der bekanntesten Weingüter Portugals, Bacalhôa. Kunst, Kultur und Genuss treffen hier aufeinander – ein Museum mit afrikanischer Kunst, Einblicke in die Weinherstellung und natürlich eine Verkostung. Den letzten Streckenabschnitt legen wir schließlich per Fähre zurück. Sanft über das Wasser schaukelnd nähern wir uns Lissabon, unserer finalen Destination. Vom Anleger aus geht es zu Fuß weiter zum Hotel. Am Abend folgt der Abschied. Gemeinsam lassen wir die schönsten Momente der Woche Revue passieren, erinnern uns an besondere Begegnungen, Landschaften und Erlebnisse. Und als wir uns schließlich auf den Heimweg machen, hat man das Gefühl: Eigentlich möchte noch niemand ins Bett – alle würden am liebsten noch ein bisschen bleiben.
